Es passiert nicht oft, dass ich beim Zeitungslesen den Entschluss fasse,an den Verfasser eines Artikels einen Brief zu schicken,einen Leserbrief zu schreiben..Aber hin und wieder tu ich es doch.
Es ist bereits ein paar Wochen her,ein Artikel in der “Presse” hat mich wach gerüttelt und ein paar wirklich interessante Gedankengänge präsentiert.Ich war vom Schreiber dieser Zeilen und seinen Ideen begeistert und habe das in ein paar Zeilen an den Verlag gemailt.
Naja, habe ich mir gedacht, der Artikel wird sicher Zustimmung und Ablehnung erfahren,er wird polarisieren.Das kann ja nicht schaden.
Überraschenderweise wurde mein Leserbrief abgedruckt,gleich dazu noch ein Brief mit völlig kontroverser Meinung zum selben Thema.
Aber dann ging es erst richtig los:Eine Vielzahl von Telefonaten erreichte mich,von bekannten und unbekannten Menschen,von Innsbruck bis Wien,ja, sogar mehrseitige Briefe füllten meinen Briefkasten! Waren die Telefonate noch teils positiv, teils negativ zu meiner geäußerten Meinung,entwickelten sich die Briefe eher in Richtung “Beschimpfung”.Mein Leserbrief wurde zerpflückt und verrissen,mein Beurteilungsvermögen ernsthaft in Zweifel gezogen.Man zweifelte an meinem Verstand und an meiner Kenntnis der Sachlage.Der unbequeme Diskutant wurde in die Schublade der Irren und Toren geschoben.Das ist bewährt und einfach.
Was kann man daraus für Schlüsse ziehen? Leserbriefe sind für jede Zeitung wichtig und wertvoll.Auch unterschiedliche Meinungen und Positionen müssen toleriert werden.Aber sollte damit nicht genug für die Diskussionskultur getan sein?Muss daraus eine “Schlacht”,ein kleiner “Krieg” entfaltet werden?
Ich habe jedenfalls alle Briefe mit denselben einfachen Sätzen erwidert, dass ich meine Meinung gesagt habe und keine weitere Diskussion wünsche, und schon gar nicht toleriere, dass die Person selbst in Zweifel gezogen wird.
Und vielleicht werde ich irgendeinmal wieder einen Leserbrief schreiben….
